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Female Leadership Teil 1

Von: Christian Fein | 03. Jul 2019

Female Leadership ist derzeit in aller Munde. Die aktuelle Diskussion spiegelt häufig nur die halbe Wahrheit wider. Die Lösung - wie gewohnt - im Aussen zu suchen ist eben nur eine Seite der Medaille.


Female Leadership 1

Natürlich ist es berechtigt Diskriminierung, Ausgrenzung und Ungerechtigkeit zu thematisieren und hoffentlich alsbald zu ändern. Das ist jedoch eher ein gesellschaftliches Problem und betrifft nicht nur Frauen, sondern auch zahlreiche andere Gruppen. Ja - die Welt ist ungerecht. Aller Wahrscheinlichkeit nach, wird sich das auch nicht postwendend ändern, sondern ist eher ein mittel- bis langfristiger Prozess. Wir können aber deutlich schneller unsere Wahrnehmung und unser Verhalten ändern. Epiktet hat es vor mehr als 2000 Jahren ganz treffend in seinem “Handbüchlein der Moral” notiert: Unterscheide zwischen den Dingen, die Du kontrollieren kannst und denen, die Du nicht kontrollieren kannst. Sich mit letzteren zu beschäftigen ist Zeitverschwendung oder zumindest meist langatmig.


Aus der Coaching-Praxis lassen sich Schwerpunkte verorten auf welche Art und Weise sich Frauen und Männer in ihrer Karriere behindern oder blockieren. Eines der Hauptthemen bei weiblichen Führungskräften sind häufig unbewusste Loyalitätskonflikte. In den ersten Lebensjahren ist die Mutter die wichtigste Ressource zur Sicherung des Überlebens. Eine Ressource sichern wir uns durch Nachahmung und Imitation. Dies ist eine verblüffend einfache und wirkungsvolle Strategie: je ähnlicher wir sind, desto näher sind wir. Diese unbewussten und verinnerlichten Muster werden später aber zum Hindernis. Denn der Generation unserer Mütter war es oftmals verwehrt eine Ausbildung oder gar ein Studium zu absolvieren. Weibliche Führungskräfte, die einen Karriereschritt in z.B. die Geschäftsführung oder den Vorstand aspirieren, entstammen oftmals einer Generation, deren Müttern es noch nicht gestattet war, sich nach ihren Wünschen zu entfalten. Kulturelle Dogmen und gesellschaftliche Rollen waren stark genormt und verpflichtend für die gesellschaftliche Zugehörigkeit. Die logische Konsequenz: Je erfolgreicher ich werde, desto mehr entferne ich mich von der einstmals wichtigsten Ressource - meiner Mutter. So wie andere unbewusste Muster, treiben auch diese ihr „Unwesen“ im Verborgenen. Wir sabotieren uns selbst, stehen zu wenig für uns und unser Recht auf Würde und Respekt ein und scheitern immer wieder auf für uns unerklärliche Art. Neben professioneller Unterstützung, mit z.B. Systemischer Hypnose, kann ein erster Ansatz sein, sich die eigenen Verhaltensmuster zu verdeutlichen und zu erforschen. Ein offenes Gespräch mit ihrer Mutter kann ebenfalls hilfreich und unterstützend sein. Denn welche Mutter wünscht sich nicht für ihre Tochter erfolgreich zu sein. So einfach das klingt - so wirkungsvoll ist es. Von Angesicht zu Angesicht zu hören, dass Ihre wichtigste Ressource Sie unterstützt, ist schon ein großer Schritt zur Lösung.


Ein zweites und häufig zu beobachtendes Muster der Selbst-Sabotage ist dem ersten nicht unähnlich. Evolutionär haben wir uns in den letzten zehntausend Jahren zwar weiterentwickelt und sind dennoch immer noch von ganz basalen und teils anachronistischen Verhaltensmustern geprägt. Vor nicht allzu langer Zeit hat ein grosser Teil der Menschen noch in kleinen Jäger- und Sammlergemeinschaften gelebt. Ein Ausschluss aus solch einer Gemeinschaft war für Männer oftmals lebensbedrohend und für Frauen meist tödlich. Dass dieses Muster immer noch eine fundamentale Wirkung hat, sieht man unter anderem in den vielen Umfragen vor was Menschen am meisten Angst haben. Unter den Top 5 ist häufig “eine Rede oder Präsentation zu halten” angegeben - meist noch vor lebensbedrohlichen Erkrankungen. Auf den ersten Blick absurd - doch auf den zweiten verständlicher: Die Ablehnung einer Gemeinschaft ist der Ausgrenzung ja sehr nahe. Oftmals zahlen wir für die Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft den Preis unserer Individualität. Prof. Kegan nennt das Socialized Mind: Wir tun was immer nötig ist um dazuzugehören. Anpassung, Imitation und Ähnlichkeit - wie auch bei erstgenanntem Muster - sichern uns diese Zugehörigkeit. Machen Sie sich bewusst, dass Sie diese Zugehörigkeit nicht brauchen. Es gibt genügend tribes und Sie werden genau den finden, der Ihre Einzigartigkeit und Individualität zu schätzen weiss.


Seien Sie klug und fangen Sie zuerst bei sich selbst an. Die eigene Wahrnehmung und das Verhalten zu verändern liegt in Ihrer Macht. Das ist allemal besser als zu „warten“ bis Ihr Umfeld sich ändert.